Stillhalten, Aushalten, Mundhalten - Freispruch trotz Machtmissbrauch

Am Ende des dreimonatigen Prozesses gegen Detlef H. wegen Exhibitionismus steht heute ein Freispruch. Wir sind fassungslos.

29 Frauen waren es, die den Mut aufbrachten, Anzeige zu erstatten. Im Rahmen des Kontakts mit dem ehemaligen Außendienststellenleiter des Weißen Ring Lübecks Detlef H. berichteten sie von Erlebnissen, die nach heutiger Rechtslage mindestens als sexuelle Belästigung eingestuft werden würden. Durch kurze Verjährungszeiten ist nur ein Fall des Exhibitionismus vor Gericht verhandelt worden.

Am Ende des dreimonatigen Prozesses kommen die Staatsanwaltschaft Lübeck und das LKA Kiel zu derselben Überzeugung wie der LFSH: Detlef H. hat die Notlage dieser Frauen in der Beratung und darüber hinaus schamlos und systematisch ausgenutzt, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Weiterhin sind wir überzeugt, dass H. die eigene gesellschaftliche Machtposition genutzt hat, um Frauen einzuschüchtern und mundtot zu machen. Dass das Amtsgericht Lübeck Detlef H. heute freigesprochen hat, löst bei uns Fassungslosigkeit aus.

„Angesichts dieses Ausmaßes an Machtmissbrauch teilen wir die öffentliche Empörung und Enttäuschung über den heutigen Freispruch. Die Frage wie es sein kann, dass sich Herr H. für seine Übergriffe auf Schutzsuchende nicht mal in diesem einen Fall verantworten muss, bleibt ungeklärt“, so Katharina Wulf (Geschäftsführung LFSH).

Das große öffentliche Interesse am Ausgang des Falls und die Solidarität mit den Frauen machen deutlich, dass sexuelle Übergriffe in dieser Gesellschaft keinen Platz mehr haben dürfen.

Katharina Wulf: „Die Grenzen und die Selbstbestimmung von Frauen können scheinbar noch immer ungestraft missachtet werden. Der Freispruch ist ein fatales Signal an alle Frauen in ähnlichen Situationen: Stillhalten, Aushalten, Mund halten. Dem werden wir uns nicht mehr unterordnen.“

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